Das “Mardorf-Lied”

Hurra, Mardorf, Deutscher Boden!
Gustav Engelhardt, Mardorf (11.01.1948)

Säs schon här gor veele Johre,
als die Autos noch nett Moore
on die Isenbohn nett fuhr,
do me löfen mußte nur.

Krächt en Mordorf mol en Borsche,
hä huß met däm Värnom Schorsche,
ene Sehnsocht en de Wält,
wull mo sähn, wies do beställt!

Hä tat nu sin Ranzen schnieren,
nohm dann Obschied von sin Lieren,
sät: Machts gutt on bliebt gesönd, --
alles kräsch do en där Rönd.

Doch nu nohm hä Hut on Stäcken,
on güng, wo om Stoß die Häcken,
noff dän Wäg on blebb dann stehn:
Liewes Mordorf, wiedersehn!

On nu schrett hä froh on heiter
immerfurt die Stroße weirer,
staunt on wöngert sech gor sehr,
daß de Wält so scheene wär!

Nu sah hä ne Stodt von wieren,
do tat hä nu nennspazieren.
Ach da Känge, liewe Zeit,
wie mech alles dos erfreit!

Desse Hisser, desse Loren!
Wie se off dän Stroßen fohren!
Desse veelen Mänschen all!
Nee, do krieg ech bahl en Knall!

Vorwärts, rüs üs däm Gewiehle!
Hie wer mäs doch gor zu schwiele!
Nix wie häm, - dos äs jo doll,
ech hon jetzt die Noose voll!

Do äs doch en Mordorf besser,
gett äs do ö keene Schlesser,
hott me doch so scheene Ruh
on Gemitlichket derzu!

Korz entschlossen kehrt hä emme
on erhub jetzt sinne Stemme:
Nach der Heimat sehn ich mich,
ach, ech frei mech ferchterlech!

Loß de Liere nur mo schwatzen
on ö piffen alle Spatzen,
daß där Schorsche werrer do,
ech ben doch so glecklech froh!

Hemwärts gings met frohem Mure!
On där Schorsche, desser gurre,
kom ö bahl ens Heimatland,
wo hä sech zerrächte fand.

Bei dän Pappel soh häs lichen
s Därfchen - hä brüchts nett ze sichen -
Ach wos kloppts än sinner Brost!
Hä tat jauchzen voller Lost:

Hurra, Mardorf, deutscher Boden!
Guck de Dächer, do, die roren!
Trieschmann Hüs on Otten Schier!
Mordorf, sei gegrießet mir!

Hurra, Mardorf, Desse Worte
heert me jetzt on veele Orten!
Doch mä sin ganz stolz off sä,
denken dann nur: Mä sin mä!

Heimatruf und Heimatlaute,
wie seid ihr so lieb und traute!
Laßt sie klingen fort und fort!
Liebet Euren Heimatort!

Hurra, Mardorf, Deutscher Boden!
Übersetzung ins Hochdeutsche

Es ist schon gar viele Jahre her,
als die Autos noch nicht Mode waren
und die Eisenbahn nicht fuhr,
man musste nur laufen.

Einmal bekam in Mardorf ein Junge,
der mit Vornamen Georg hieß,
eine Sehnsucht nach der Welt,
wollte mal sehen, wie es da bestellt!

Er schnürte nun seinen Rucksack,
nahm dann Abschied von seinen Leuten,
sagte: Macht es gut und bleibt gesund, --
alles weinte in der Runde.

Doch nun nahm er Hut und Stock,
und ging, wo am Stoß die Hecken,
hoch den Weg und blieb dann stehen:
Liebes Mardorf, wiedersehn!

Und nun schritt er froh und heiter
immerfort die Straße weiter,
staunt und wundert sich gar sehr,
daß die Welt so schön wäre!

Nun sah er eine Stadt von weitem,
da tat er nun hinein spazieren.
Ach ihr Kinder, liebe Zeit,
wie mich alles das erfreut!

Diese Häuser, diese Loren!
Wie sie auf den Straßen fahren!
Diese vielen Menschen alle!
Nee, da bekomme ich bald einen Knall!

Vorwärts, raus aus dem Gewühl!
Hier wird mir es doch gar zu schwül!
Nichts wie heim, - das ist ja toll,
ich habe jetzt die Nase voll!

Da ist doch ein Mardorf besser,
gibt es da auch keine Schlösser,
hat man doch so schöne Ruh
und Gemütlichkeit dazu!

Kurz entschlossen kehrt er um
und erhob jetzt seine Stimme:
Nach der Heimat sehne ich mich,
ach, ich freu mich fürchterlich!

Laß die Leute nur mal reden
und auch alle Spatzen pfeiffen,
daß der Georg wieder da ist,
ich bin doch so glücklich froh!

Heimwärts ging es mit frohem Mut!
Und der Georg, dieser gute,
kam auch bald ins Heimatland,
wo er sich zurecht fand.

Bei den Pappeln sah er es leuchten
das Dörfchen - er braucht es nicht zu suchen -
Ach was klopft es in seiner Brust!
Er jauchzte voller Lust:

Hurra, Mardorf, deutscher Boden!
Guck die Dächer, da, die roten!
Trieschmanns Haus und Ottos Scheune!
Mardorf, sei mir gegrüßt!

Hurra, Mardorf, Diese Worte
hört man jetzt an vielen Orten!
Doch wir sind ganz stolz auf sie,
denken dann nur: Wir sind wir!

Heimatruf und Heimatlaute,
wie seid ihr so lieb und vertraut!
Laßt sie klingen fort und fort!
Liebt Euren Heimatort!

Quelle: 
Homberger Hefte
Beiträge zur Heimatgeschichte und Familienkunde
Mardorf - Mein Heimatdorf (Teil II)
von Gustav Engelhardt
Heft 25/1982
Herausgeber: Zweigverein Homberg an der Efze des
 Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde